Nach welchen Regeln funktioniert die Kultur, in der wir leben? Von welchen gedanklichen und bildlichen Quellen wird sie gespeist und wohin entwickelt sie sich? Fragen, die immer häufiger auch von Künstlern gestellt werden, namentlich von solchen, die sich bei ihrer Arbeit nicht mehr am Vorbild der Natur sondern an der Realität des menschlichen Zusammenlebens orientieren. Anders als Wissenschaftler oder Philosophen sind sie dabei aber weniger an der Reduktion von Komplexität interessiert als an der Erzeugung von Differenzen und alternativen Versionen. Sie parodieren und persiflieren, sie entwickeln Szenarien oder versuchen sogar, völlig neue Formen des Verhaltens zu etablieren. Auch die Bilder und Objekte, die sie produzieren, sind in der Regel keine konventionellen Darstellungen, sondern vieldeutige Zeichen, die den Betrachter zum Weiterdenken anregen sollen. Im Spiegel ihrer Kunst erscheint unsere Kultur als ein Gebilde, das vor allem durch Muster und Stereotypen geprägt ist, in dem sich aber auch Eigensinn entwickeln kann, wenn es gelingt, Räume zu schaffen, die nicht von kommerziellen oder politischen Interessen bestimmt sind. Dabei erzeugt jeder Künstler sein eigenes Bild von dieser Kultur, eignet er sich ihre Inhalte und Formen auf eine ganz persönliche Weise an, sodass im Laufe der Zeit eine Art Parallelwelt entsteht, in der sich ihr Status Quo in metaphorischer oder allegorischer Form abbildet. Aneignungen_Appropriations stellt einige namhafte Vertreter dieser Praxis vor; Künstler und Künstlerinnen, die durch ihre Arbeit dazu beigetragen haben, dass sich der Typus des Kulturbeobachters als neue Künstlerrolle etablieren konnte und dass „Aneignung von Kultur“ zu einem eigenständigen Paradigma der zeitgenössischen Kunst geworden ist.

Einleitung - Looping (Rodney Graham) - Ortswechsel (Jean-Marc Bustamante) - Das Gedächtnis der Bilder (Fabian Marcaccio/Luc Tuymans) - Zwischen Peripherie und Zentrum (Gabriel Orozco) - Déjà Vu (Ugo Rondinone) - Bilderkult (Raymond Pettibon/Karen Kilimnik) - Hyperfiktion (Pierre Huyghe) - Walking Distance (Francis Alÿs) - Identität und Imagination (Tracey Moffatt) - Strickmuster (Rosemarie Trockel) - Transschizophrenie (Gilles Barbier) - Zeitspielräume (Liam Gillick)

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